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Bioökonomiestrategien

EU-Bioökonomiepolitik und der Europäische Green Deal

Die Europäische Union hat die Förderung einer nachhaltigen und zirkulären Bioökonomie als zentralen Bestandteil ihrer Umwelt- und Wirtschaftspolitik identifiziert. Der europäische Green Deal, der Ende 2019 vorgestellt wurde, zielt darauf ab, Europa bis 2050 klimaneutral zu machen. Die Bioökonomie spielt für das Erreichen dieser Ziele eine Schlüsselrolle, indem sie zur Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, zur Verbesserung der Ressourceneffizienz und zur Förderung der biobasierten Wirtschaft beiträgt.

Im Rahmen der EU-Bioökonomiestrategie, die erstmals 2012 aufgelegt und 2018 aktualisiert wurde, werden Initiativen und Maßnahmen vorgeschlagen, um die Produktion nachhaltiger biobasierter Produkte zu steigern und biobasierte Märkte zu erweitern. Die Strategie umfasst fünf wesentliche Aktionsbereiche:

  • Erhöhung der Ressourceneffizienz und Förderung der Kreislaufwirtschaft
  • Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit in der Bioökonomie-Sektoren
  • Verbesserung des Umweltschutzes und der Biodiversität
  • Förderung der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen
  • Unterstützung der Entwicklung ländlicher Gebiete durch Bioökonomie-Aktivitäten

Die Bioökonomiestrategie in Deutschland

Deutschland hat als Reaktion auf die EU-Bioökonomiepolitik und den Green Deal eigene Strategien entwickelt, um die nationale Bioökonomie zu fördern. Die deutsche Bioökonomiestrategie, die 2020 aktualisiert wurde, legt den Fokus auf die nachhaltige und effiziente Nutzung biologischer Ressourcen. Sie zielt darauf ab, Innovationen in den Bereichen Landwirtschaft, Industrie und Energie zu fördern und gleichzeitig ökologische und soziale Standards zu wahren.

Kernpunkte der deutschen Bioökonomiestrategie sind:

  • Die Förderung von Forschung und Innovation im Bereich nachhaltige Bioökonomie
  • Die Unterstützung der Transformation hin zu einer nachhaltigen, biobasierten Wirtschaft
  • Die Stärkung der Bildung und des öffentlichen Bewusstseins für bioökonomische Zusammenhänge
  • Die internationale Zusammenarbeit zur Förderung globaler Nachhaltigkeitsstandards

Bioökonomiestrategien in der Metropolregion

Hessen: Die Biologisierung der Industrie und damit die Bioökonomie ist integraler Teil in der Hessischen Innovationsstrategie 2021–2027 | Nachhaltig – Digital – Vernetzt: „Die Chemisch-Pharmazeutische Industrie wird zunehmend auf nachhaltige Kohlenstoffquellen umgestellt, was einen Strukturwandel von einer erdöl- zu einer biobasierten Industrieproduktion mit sich bringt.“ Die Innovationsstrategie ist Leitlinie für die Aktivitäten des Wirtschaftsministeriums. Ergänzend verfolgt die Ressourcenschutzstrategie das Ziel einer vollständigen Kreislaufwirtschaft, in der auch die zirkuläre Bioökonomie als Baustein gilt. Die Nachhaltigkeitsallianz Hessen adressiert klima-neutrales Wirtschaften, während die Digitalstrategie die Biotechnologie als Treiber für neue Geschäftsmodelle hervorhebt. So ist die Bioökonomie fest in den Transformationsstrategien des Landes Hessen verankert.

Rheinland-Pfalz: Die regionale Innovationsstrategie Rheinland-Pfalz setzt Bioökonomie-nahe Schwerpunkte in den Bereichen Energie, Umwelttechnik und Ressourceneffizienz. In der Nachhaltigkeitsstrategie wird auch nachhaltiges Wirtschaften und Ressourcen- und Klimaschutz durch Kreislaufwirtschaft adressiert. Die Metropolregion Rhein-Neckar, zu der auch Teile von Rheinland-Pfalz gehören, hat eine eigene Bioökonomie-Strategie (KommBÖ4MRN) entwickelt

Bayern hat als einziges beteiligtes Bundesland mit Zukunft.Bioökonomie.Bayern eine eigene Bioökonomiestrategie, um die Transformation von der fossil- zur bio-basierten Wirtschaftsweise voranzutreiben, die sich an natürlichen Stoffkreisläufen orientiert. Darin sind acht übergeordnete Ziele und 50 konkrete Maßnahmen für eine biobasierte, nachhaltige Transformation aufgeführt.

Rechtliche Herausforderungen und Chancen

Die Umsetzung der Bioökonomiepolitik, sowohl auf EU-Ebene als auch in Deutschland, erfordert eine Anpassung best ehender Rechtsrahmen und die Einführung neuer Vorschriften. Dies betrifft eine Vielzahl von Bereichen, einschließlich Umweltrecht, Landwirtschaftsrecht, Energierecht und Forschungsförderung. Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen Flexibilität bieten, um Innovationen zu ermöglichen, gleichzeitig aber auch Nachhaltigkeitsprinzipien sicherstellen.

Für Kommunen und lokale Akteure bieten sich durch diese Entwicklungen neue Möglichkeiten, etwa durch die Teilnahme an Förderprogrammen, die Entwicklung lokaler Bioökonomiestrategien und die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen der Bioökonomie stellen somit eine dynamische und sich entwickelnde Landschaft dar, die sowohl Herausforderungen als auch Chancen für alle Beteiligten bietet.